Lieferketten waren bedroht, da Teile aus dem Osten nicht mehr geliefert werden konnten und die massiven Sanktionen des Westens gegen Russland dazu führten, dass deutsche Unternehmen ihre russischen Fabriken kaum noch am Laufen halten konnten.
Moskau wiederum hatte den Verkauf dieser Produktionsstandorte aufgrund eines komplizierten Genehmigungsverfahrens äußerst erschwert. Laut dem veröffentlichten Geschäftsbericht unterzeichnete Schaeffler am 29. Dezember 2022 einen Vertrag über den Verkauf seiner russischen Aktivitäten an ein Unternehmen namens PromAvtoConsult LLC für 10 Millionen Euro. Es sei vertraglich vereinbart worden, dass die Aktien zunächst an ein von einem Aufsichtsratsmitglied kontrolliertes Unternehmen übertragen würden, hieß es in dem Bericht. Schaeffler bestätigte, dass es sich bei dem Vorstandsmitglied um Wolf handelte.
Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete damals, Roman Vovk, Vorstandsvorsitzender von PromAvtoConsult, habe einem Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Wladimir Putin gesagt, Schaeffler-Teile könnten in Fahrzeugen des von Russland sanktionierten Nutzfahrzeugherstellers GAZ Group verwendet werden, darunter auch Modelle für Militärtransporte.
Der fränkische Industrie- und Autozulieferer Schaeffler darf nun sein russisches Werk an eine Holding seines österreichischen Aufsichtsratsmitgliedes Siegfried Wolf verkaufen. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung genehmigte Kremlchef Wladimir Putin den Erwerb des Standortes in Uljanowsk an der Wolga durch die PromAvtoConsult.
Es handelt sich demnach um ein kleines Schaeffler-Werk mit 150 Mitarbeitern. Der Kaufpreis wurde im Schaeffler-Geschäftsbericht mit zehn Millionen Euro angegeben. Investor Wolf hatte dem "Spiegel" damals auf dessen Anfrage hin mitgeteilt, die Transaktion sei umfassend geprüft worden. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass sie "im Einklang mit geltendem US- und EU-Sanktionsrecht" stehe.