"Aus jedem Gebiet, aus dem wir uns zurückziehen, bekommen wir Terror, schrecklichen Terror", sagte Netanjahu auf einer Pressekonferenz. Dies sei im Südlibanon, im Gazastreifen sowie in Teilen des Westjordanlandes geschehen. Deshalb müsse Israel bei jeder künftigen Vereinbarung oder auch bei Nichtzustandekommen einer Vereinbarung die "Sicherheitskontrolle" über das gesamte Gebiet westlich des Jordans - also Israel, das Westjordanland und den Gazastreifen - behalten.
"Der Sieg wird viele Monate dauern, aber wir sind entschlossen, ihn zu erreichen", bekräftigte Netanjahu am Donnerstag. Israel werde sich "nicht mit weniger als dem vollständigen Sieg zufriedengeben", betonte der Regierungschef. Das bedeute "die Eliminierung der Terroristenführer, die Zerstörung der operativen und militärischen Fähigkeiten der Hamas, die Rückkehr unserer Geiseln nach Hause, die Demilitarisierung des Gazastreifens" mit vollständiger israelischer Sicherheitskontrolle auch für alles, was in das Palästinensergebiet gelange.
US-Außenminister Antony Blinken hatte beim Weltwirtschaftsforum in Davos diese Woche deutlich gemacht, dass eine dauerhafte Lösung für die Region die Vision eines palästinensischen Staates beinhalten müsse. Andernfalls werde Israel keine echte Sicherheit bekommen. Viele arabische und muslimische Länder hätten ihre Haltung zu Israel zuletzt geändert und nun Interesse an stabilen Beziehungen. Israel müsse entscheiden, in welche Richtung es sich entwickeln wolle.
Nach Ansicht von Präsident Izchak Herzog muss Israel hart an neuen Wegen für einen Dialog mit den Palästinensern arbeiten. "Die Israelis haben ihr Vertrauen in die Friedensprozesse verloren, weil sie sehen konnten, dass der Terror von unseren Nachbarn verherrlicht wird", sagte Herzog beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Länder, die eine Zweistaatenlösung fordern, müssen seiner Ansicht nach zunächst die Frage klären, wie Israels Sicherheit dabei gewährleistet werden kann.
Derzeit sei die Bereitschaft, über ein Friedensabkommen nachzudenken, in Israel gering, sagte Herzog weiter. "Um die Atmosphäre zu ändern, müssen wir die Geiseln zurück bekommen." Der Präsident pochte in Davos zudem auf eine Umgestaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). "Wir müssen sicherstellen, dass sie Terror nicht verherrlichen, dass sie ihren Kindern nicht beibringen, Juden und Israelis zu hassen", sagte er. Herzog räumte gleichzeitig ein, dass Israel bereit sein müsse mit "potenziellen Partnern" zu verhandeln. Israelis und Palästinenser müsse eine bessere Zukunft geboten werden. "Die Menschen wollen zusammen und in Frieden leben."
Eine Zweistaatenlösung wird seit Mitte der 1970er Jahre angestrebt und gilt international als die Formel, mit der der Nahostkonflikt befriedet werden könnte. Große Hoffnung weckte die Unterzeichnung der Osloer Friedensabkommen 1993. Auf Basis der Verträge wurde ein Jahr später auch die PA gegründet. Die islamistische Hamas torpediert den Friedensprozess seit damals mit blutigen Anschlägen auf Israelis. Die UN sehen aber auch die israelischen Siedlungen im Westjordanland als großes Hindernis für eine Friedensregelung.