Besonders ausgeprägt sei dies auf der von Russland besetzten ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim. Dort baue der russische Statthalter Sergei Aksjonow mehrere lokale Einheiten auf, die sich häufig auf die Tradition der Kosaken beriefen - wehrhafte Gemeinschaften, die früher unter anderem auf dem Gebiet der heutigen Ukraine siedelten. Den Briten zufolge dürfte Aksjonow an der Fähigkeit der russischen Armee zweifeln, die Krim gegen einen Rückeroberungsversuch durch die Ukraine verteidigen zu können.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums haben die Kräfte der Wagner-Söldnergruppe wahrscheinlich damit begonnen, sich von einigen ihrer Stellungen rund um die zerstörte ukrainische Stadt Bachmut zurückzuziehen, und werden voraussichtlich für andere Offensivoperationen in der Donbass-Region eingesetzt. Das britische Verteidigungsministerium teilte in seinem jüngsten Geheimdienstbericht mit, dass Wagners Chef Jewgeni Prigoschin erklärt habe, der Abzug habe begonnen und Positionen würden an die Streitkräfte des russischen Verteidigungsministeriums übertragen. Kiew bestätigte Wagners Rotation aus den Außenbezirken der Stadt.
Das britische Ministerium sagte in seinem auf Twitter veröffentlichten Update, dass Streitkräfte der sogenannten Volksrepublik Donezk wahrscheinlich seit Mittwoch in die ostukrainische Stadt eingedrungen seien, um mit "Räumungsoperationen" zu beginnen. Bachmut war Schauplatz der längsten und blutigsten Schlacht des Krieges. "Bis zum 16. Mai hatten die ukrainischen Streitkräfte 20 Quadratkilometer Bachmuts Flanken eingenommen. Die Rotation der Wagner-Streitkräfte wird wahrscheinlich in kontrollierten Phasen fortgesetzt, um einen Zusammenbruch in den Taschen um Bakhmut zu verhindern. Trotz Prigozhins anhaltender Fehde mit dem russischen Verteidigungsministerium werden die Wagner-Streitkräfte nach der Neukonstituierung ihrer Streitkräfte wahrscheinlich für weitere Offensivoperationen im Donbass eingesetzt."
Russland plant zudem nach Informationen britischer Geheimdienste den Aufbau weiterer Söldner-Truppen für den Krieg gegen die Ukraine. Ziel sei, die Wagner-Gruppe in ihrer "bedeutenden" Rolle zu ersetzen. Die militärische Führung Russlands wolle wegen der "hochkarätigen Fehde" zwischen dem Verteidigungsministerium und Wagner eine Privatarmee, die sie besser kontrollieren könne. "Allerdings erreicht derzeit keine andere bekannte russische Privatarmee die Größe oder Kampfkraft von Wagner", hieß es. Grundsätzlich findet Russland den Einsatz privater Söldner in der Ukraine dem britischen Ministerium zufolge nützlich. Diese würden besser zahlen und seien effizienter als die reguläre Armee. Zudem habe die russische Führung vermutlich den Eindruck, dass Verluste der privaten Truppen von der Gesellschaft eher toleriert würden als tote und verwundete reguläre Soldaten, hieß es in London.
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