Vor dem Gipfeltreffen herrschte Uneinigkeit darüber, welche Begriffe die EU wählt, um Unterbrechungen der Kampfhandlungen zur humanitären Versorgung der Zivilbevölkerung im Gazastreifen zu fordern. Michel hatte sich in einem nicht mit den Mitgliedstaaten abgestimmten Entwurf für die Gipfelerklärung für eine "humanitäre Pause" ausgesprochen und damit Kritik Israel-naher EU-Staaten wie Deutschland auf sich gezogen.
Deutschland und Länder wie Österreich und Tschechien sehen die Formulierung "humanitäre Pause" skeptisch, da sie zu sehr nach "Waffenruhe" klinge. In einem aktualisierten Erklärungsentwurf war dann von "humanitären Korridoren und Pausen" die Rede, welche die EU-Staats- und Regierungschefs fordern würden.
Michel warb nun um eine einheitliche Haltung der EU-Staaten. "Einige in der Welt" würden derzeit versuchen, Teile der internationalen Gemeinschaft gegen die EU aufzubringen und "Zweifel an unserer Glaubwürdigkeit zu wecken", warnte der Belgier. "Unsere Einigkeit wird das beste Argument sein, das wir gegenüber dem globalen Süden vorbringen können."
Das Thema spalte die EU-Staaten, sagte jedoch Ungarns Regierungschef Viktor Orban. Er befürworte "das Recht Israels, sich zu verteidigen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit sich das, was passiert ist, nämlich ein Terroranschlag der Hamas auf den israelischen Staat, nicht wiederholt." Doch "die Meinungen gehen auseinander".
Orban betonte zudem die Bedeutung von Stabilität im Nahen Osten für Europa. "Denn von dort kommen die Migrationsströme". Die EU müsse sich dafür einsetzen, "diese Länder zu stabilisieren".
Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs beginnt am Nachmittag. Neben dem Krieg im Nahen Osten steht auch das Thema Ukraine und weitere Unterstützung für das von Russland angegriffene Land auf dem Programm. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj soll per Video zu den Beratungen dazugeschaltet werden.