Die Aufnahme von Schutzsuchenden sollte freiwillig sein, heißt es in einem Textvorschlag für die Abschlusserklärung des EU-Gipfels. Die polnische Regierung stellte sich zudem auf den Standpunkt, dass in der Migrationspolitik nur noch nach dem Konsensprinzip entschieden werden sollte. Dies würde bedeuten, dass Beschlüsse nicht mehr per Mehrheitsentscheidung getroffen werden könnten, sondern nur noch dann, wenn es keine Gegenstimmen gibt.
Polen verwies darauf, dass bereits bei Gipfeln in den Jahren 2016, 2018 und 2019 ein entsprechendes Vorgehen vereinbart worden sei. So heißt es in einer Erklärung der Staats- und Regierungschefs aus dem Juni 2019: "Es muss ein Konsens für eine Reform der Dublin-Verordnung auf der Grundlage eines ausgewogenen Verhältnisses von Verantwortung und Solidarität gefunden werden."
Polen interpretiert dies offensichtlich so, dass in der gesamten Asylpolitik nur noch mit Konsens entschieden werden soll. Die Dublin-Verordnung regelt zum Beispiel, dass Asylbewerber da registriert werden sollen, wo sie die Europäische Union zuerst betreten haben. Dieses Land ist dann in der Regel auch für den Asylantrag zuständig. Auch Ungarn hatte bereits vor dem Gipfel angekündigt, dass es sich an der geplanten Verteilung von Flüchtlingen in der EU nicht beteiligen und auch keine Ausgleichszahlungen leisten werde.
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