Wenige Tage vor dem Gipfeltreffen der Europäischen Union am 14. und 15. Dezember, bei dem es unter anderem um die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen für die Ukraine gehen soll, traf Selenskyj in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires auf Orbán. Beide waren nach Argentinien gereist, um an der Amtseinführung des neuen Präsidenten Javier Milei teilzunehmen.
Vor dem EU-Gipfel Ende der Woche drohte Orbán, die Aufnahme der Ukraine in die EU ebenso zu blockieren wie ein 50 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Kiew. Für Zündstoff war also gesorgt. Ukrainischen Medien zufolge hätten die beiden Spitzenpolitiker ein "emotionales Gespräch" miteinander geführt. Als Beweis wurden auch Fotos und Videos von der Unterhaltung gezeigt. Orbán habe Selenskyj zu verstehen gegeben, dass die Mitglieder der EU in Sachen Beitritt der Ukraine "kontinuierlich miteinander verhandeln", sagte dessen Sprecher Bertalan Havasi am Sonntagabend.
Selenskyj äußerte in seiner allabendlichen Videoansprache, dass er so "offen wie möglich" mit dem ungarischen Regierungschef über die europäischen Angelegenheiten der Ukraine gesprochen habe.
Bei seinem Arbeitsbesuch in Buenos Aires war Selenskyj mit mehreren südamerikanischen Staatschefs zusammengekommen und lotete die Möglichkeiten zu einem Ukraine-Lateinamerika-Gipfeltreffen aus. Im Gegensatz zur linken Vorgängerregierung in Buenos Aires gilt der ultraliberale Milei als entschlossener Unterstützer der Ukraine.
Gleich nach seinem Wahlsieg vor drei Wochen hatten die beiden telefoniert. "Ich habe ihm für seine klare Haltung gedankt. Kein Abwägen zwischen Gut und Böse. Nur eine klare Unterstützung für die Ukraine. Das wird von den Ukrainern sehr wohl wahrgenommen und geschätzt", erklärte Selenskyj damals.
Über die Positionierung des neuen argentinischen Präsidenten wird gerätselt. Im Wahlkampf fiel der bekennende "Anarchokapitalist" durch bizarre Sprüche auf und ließ sich gern mit einer Kettensäge ablichten. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump gratulierte Milei zur Wahl und freute sich über dessen Sieg. Anders als Trump und Orbán will Milei die von Russland angegriffene Ukraine vorbehaltlos unterstützen. Für die Ukraine eine Chance, über Milei zusätzliche diplomatische Möglichkeiten für die Zukunft auszuloten.