Die türkische Regierung wirft Schweden vor, zu weich gegenüber Gruppen zu sein, die sie als Terrororganisationen und existenzielle Bedrohungen einstuft, einschließlich kurdischer Gruppen. Ankara hat jedoch gesagt, dass es weniger Probleme mit der Mitgliedschaft Finnlands hat. Schweden rechnet selber zunehmend damit, dass es erst nach Finnland in die Nato aufgenommen werden könnte. Die Anzeichen der vergangenen Wochen deuteten darauf hin, dass die Türkei sich darauf vorbereite, den finnischen Beitritt vor dem schwedischen zu ratifizieren, sagte Ministerpräsident Ulf Kristersson am Mittwoch bei einem Besuch bei Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Berlin.
"Wir sind auch auf diese Situation vorbereitet", sagte Kristersson. Man mache aber kein Geheimnis daraus, dass Schweden ein gemeinsamer Beitritt mit Finnland lieber wäre. "Wir glauben, dass wir zur Ratifizierung bereit sind. Aber wir respektieren, dass nur die Türkei türkische Entscheidungen treffen kann", sagte er. Scholz bekräftigte, dass Deutschland wolle, dass die beiden nordischen Länder sehr schnell Nato-Mitglieder werden. Gemessen an der Dauer handle es sich auch um einen schnellen Beitrittsprozess. "Aber wir haben schon das Ziel, dass das jetzt auch bald etwas wird und dass Schweden ganz schnell Mitglied der Nato wird", sagte Scholz. "Das ist gut für Schweden, das ist gut für die Nato und unser Bündnis, das seine Wichtigkeit und Bedeutung in den letzten Monaten nochmal ganz neu unterstrichen hat." Die nordatlantische Zusammenarbeit werde für die Sicherheit in Europa gebraucht.
Auf die Frage von Reportern, ob die Türkei die Mitgliedschaft Finnlands nach einem Besuch des finnischen Präsidenten Sauli Niinisto später in der Woche ratifizieren könne, antwortete Erdogan: "So Gott will, wenn es das Beste ist." "Was auch immer der Prozess ist, der Prozess wird funktionieren. Wir werden unseren Teil dazu beitragen. Wir werden unser Versprechen halten. Wir werden uns am Freitag mit dem Präsidenten treffen und unser Versprechen erfüllen", sagte er.
Türkische Beamte waren verärgert über eine Reihe Demonstrationen in Schweden, darunter ein Protest eines Anti-Islam-Aktivisten, der den Koran vor der türkischen Botschaft verbrannte. Niinisto soll zusammen mit Außenminister Pekka Haavisto am Donnerstag in der Türkei eintreffen, wenn die beiden Beamten Gebiete bereisen werden, die von einem verheerenden Erdbeben betroffen sind, das letzten Monat Teile der Türkei und Syriens heimgesucht hat. Am Freitag sollen sich Niinisto und Erdogan in Istanbul treffen.
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