Schon in der Debatte um Panzerlieferung hatte Polen die Bundesregierung unter Druck gesetzt und bekräftigt, dass es bereit sei, ohne Zustimmung Deutschlands Panzer in die Ukraine zu schicken, da der Druck auf Berlin wächst, die von Kiew geforderten schweren Waffen zu liefern. Der polnische Ministerpräsident sagte, seine Regierung werde Berlin um Erlaubnis bitten, seine in Deutschland hergestellten Leopard-Panzer in die Ukraine zu schicken, bezeichnete diese Zustimmung jedoch als "zweitrangig". Mateusz Morawiecki sagte: "Auch wenn wir diese Genehmigung nicht bekommen würden … würden wir unsere Panzer trotzdem zusammen mit anderen in die Ukraine überführen." Er fügte hinzu, dass "die Bedingung für uns im Moment darin besteht, zumindest eine kleine Koalition von Ländern zu bilden".
Zugleich hielt er Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor, den russischen Präsidenten Wladimir Putin immer noch zu verkennen. "Wir sehen (...), dass Deutschland versucht, halb schwanger zu sein, ein bisschen neu zu denken und die Ukraine zu unterstützen. Aber gleichzeitig scheinen sie - ich meine die Regierung und der Kanzler im Besonderen - immer noch daran zu glauben, dass man mit Russland wieder zur Tagesordnung übergehen sollte. Ich glaube nicht, dass das mit diesem quasi totalitären Regime jemals möglich sein wird."
Morawiecki äußerte sich auch skeptisch zu Gesprächen mit dem Kremlchef. "Ich halte es für falsch, weil es Putin nur Sauerstoff gibt und nichts bringt. Putin erreicht mit solchen Gesprächen tatsächlich seine Ziele, denn er zeigt dem Rest der Welt und seiner eigenen Bevölkerung: "Seht her, ich bin sehr gefragt, alle wollen mit mir reden, alles hängt von mir ab."" In der Debatte um westliche Kampfjets an die Ukraine zeigte sich Morawiecki offen für die Lieferung von F16-Flugzeugen. "Wenn dies eine Entscheidung der gesamten Nato wäre, wäre ich für die Entsendung dieser Kampfjets."
Polens Regierung würde es nach eigenen Angaben unterstützen, wenn die Nato eine Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine beschließen sollte. "Ich glaube, wir, die Nato, müssen mutiger sein", sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki dem französischen Sender LCI. Man dürfe keine Angst davor haben, der Ukraine Raketen- und Luftabwehrbatterien zu liefern, und zwar zur Stationierung auf ihrem gesamten Territorium und nicht nur im Westen, in der Hauptstadt Kiew und an den Frontlinien. Sollte darüber hinaus eine Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine in Betracht gezogen werden, würde Polen laut Morawiecki dafür stimmen. Aber natürlich könne es sich nur um eine Entscheidung der Nato als Ganzes handeln, sagte der Regierungschef.
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