Beim Parteitag versuchten die Vorsitzenden Schirdewan und Janine Wissler aber, Zuversicht für einen Neustart zu stiften. Bei wichtigen Sachfragen erhielten sie Rückdeckung der mehr als 400 Delegierten. So wurde das Europa-Wahlprogramm fast ohne Streit beschlossen. Dabei setzt die Linke auf ihre klassischen Themen: mehr öffentliche Ausgaben und weniger Auflagen durch europäische Schuldenregeln, mehr Steuern auf hohe Einkommen und Konzerngewinne, strikter Klimaschutz, eine möglichst wenig eingeschränkte Asylpolitik, eine Stärkung des Europäischen Parlaments im politischen EU-Gefüge.
Das Programm sieht Reformbedarf der EU und spricht von "Wut vieler Menschen", stellt die Gemeinschaft aber nicht grundsätzlich in Frage. Konkret stellte die Linke eine neue Forderung auf: Sie plädiert nun für 15 Euro Mindestlohn in Deutschland. Bisher war sie für 14 Euro. Derzeit liegt der Mindestlohn bei 12 Euro.
Die Wahl zum Europaparlament ist in Deutschland am 9. Juni 2024 angesetzt. 2019 erreichte die Linke 5,5 Prozent der Stimmen und fünf Mandate. In diesem Jahr will sie 20 Kandidatinnen und Kandidaten aufstellen. Schirdewan, Rackete, Demirel und Trabert waren von der Parteispitze vorgeschlagen worden und bekamen dann auch breite Rückendeckung der Delegierten. Das beste Ergebnis holte mit 96,8 Prozent Trabert, der sich seit Jahrzehnten als Arzt um Obdachlose und Flüchtlinge kümmert. Wie Rackete ist Trabert nicht Parteimitglied.
Auf Platz fünf wurde am späten Samstagabend Journalistin Ines Schwerdtner gewählt, auf Platz sechs der brandenburgische Linke Martin Günther. Die übrigen Plätze werden heute vergeben.