Den Beitritt müssen alle 30 Mitglieder des Verteidigungsbündnisses ratifizieren. 28 haben das bereits getan, nur Ungarn und die Türkei noch nicht. Ungarische Einwände werden nicht erwartet, dagegen blockiert die Türkei die Nato-Nordweiterung seit langem. Sie begründet ihre Haltung in erster Linie damit, dass Schweden nicht ausreichend gegen Terrororganisationen vorgehe. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan meint damit vor allem die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK.
Bei den Gesprächen könnte es auch um die geplante Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzer in die Ukraine gehen. Sowohl Schweden als auch Finnland verfügen über diese Panzer. Die Bundesregierung sucht noch Verbündete, die bereit sind, sie zu liefern. Finnlands Ministerpräsidentin Sanna Marin sagte am Sonntag im Radio Suomi, dass es dazu noch keinen Beschluss ihrer Regierung gebe. Sie machte mit Blick auf die lange finnisch-russische Grenze klar, dass die Sache kompliziert sei. Auch Schweden hat noch nicht über eine Kampfpanzer-Lieferung entschieden.
Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson schließt zudem nicht aus, dass sein Land irgendwann Kampfflugzeuge an die Ukraine liefert. Im Moment sei die Frage für Schweden aber nicht aktuell, sagte er vergangene Woche. Man müsse die angespannte Sicherheitslage im Blick behalten in einer Zeit, in der Schweden die Nato-Mitgliedschaft beantragt habe, aber eben noch kein Mitglied sei. "Jeder weiß, dass das ein recht schwieriger Balanceakt ist."
Am Montag besucht der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki Kristersson in Stockholm. Polen sympathisiert mit der Lieferung von Kampfflugzeugen in die Ukraine, würde dies aber nur zusammen mit Nato-Verbündeten tun.
Die Nato ist unterdessen am Sonntag Ziel eines Hackerangriffs geworden. Eine Sprecherin bestätigte am Abend, dass sich Cyberexperten des Verteidigungsbündnisses aktiv mit einem Vorkommnis befassten, das mehrere Website beeinträchtige. Zuvor hatte es in sozialen Netzwerken wie Twitter geheißen, dass pro-russische Aktivisten unter anderem die Internetseite des Nato-Hauptquartiers für Spezialoperationen (NSHQ) attackierten. Sie war zeitweise nicht zu erreichen.
Als Beteiligte an dem Angriff wurden unter anderem die russische Hackergruppierung Killnet genannt. Die Gruppe wurde zuletzt auch mit Attacken gegen Internet-Präsenzen des Bundestages, der Polizei und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Deutschland in Verbindung gebracht. Die Nato machte am Abend keine weiteren Angaben zu dem Vorfall. Die Sprecherin sagte, das Bündnis habe es regelmäßig mit Cybervorfällen zu tun und nehme das Thema Cybersicherheit sehr ernst.
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