Der Internationale Währungsfonds bescheinigte der ukrainischen Wirtschaft eine "bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit". In den ersten Kriegsmonaten im Jahr 2022 verlor das Land ein Drittel seiner Wirtschaftsleistung durch Besatzung und Zerstörung, weil Russland das Kernland der ukrainischen Schwerindustrie kontrolliert. Auch die Inflation stieg auf satte 26 %, weil die Zentralbank Geld zuschießen musste, um klaffende Haushaltslücken zu schließen. Letztes Jahr erholte sich die Lage jedoch wieder, die Inflation sank auf 5,7 % und die Wirtschaft wuchs um 4,9 % – mehr als Deutschlands Wirtschaftsleistung. Das Bankensystem der Ukraine funktioniert weiterhin, Schulen und Kliniken sind geöffnet und Renten werden gezahlt.
Ein ukrainisches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent war auch von der Europäischen Union erwartet worden. Es ist ein Erholungseffekt, nachdem die ukrainische Wirtschaft 2022 im ersten Jahr des Krieges um fast 30 Prozent geschrumpft war. In den kommenden Jahre wird die Wirtschaftsleistung des osteuropäischen Landes zwar voraussichtlich weiter wachsen, aber nach EU-Erwartungen etwa ein Fünftel unter Vorkriegsniveau liegen.
Die hart erkämpfte wirtschaftliche Stabilität der Ukraine ist erneut in Gefahr, da die Regierung mit einem großen Haushaltsloch konfrontiert ist und ihre beiden größten Verbündeten und Geldgebern – die Vereinigten Staaten und die Europäische Union – bisher noch keine Einigung für eine weitere Hilfen zustande gebracht haben. Ohne Unterstützungszusagen bis Anfang Februar – wenn die Staats- und Regierungschefs der EU zusammenkommen, um über die Hilfe zu entscheiden – und wenn bis März kein Geld eintrifft, könnte dies die Fortschritte der Ukraine bei der Inflationsbekämpfung gefährden.
Das Thema beschäftigte US-Außenminister Anthony Blinken und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, als sie sich am Dienstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos trafen. "Wir sind entschlossen, unsere Unterstützung für die Ukraine aufrechtzuerhalten", sagte Blinken, "wir arbeiten sehr eng mit dem Kongress zusammen, um dies zu erreichen. Ich weiß, dass unsere europäischen Kollegen dasselbe tun."
Im Ausland eingefrorene russische Vermögenswerte im Wert von rund 300 Milliarden US-Dollar haben eine Debatte über die Verwendung zugunsten der Ukraine ausgelöst. Dieses Geld könnte theoretisch die Blockade um Steuergelder in Washington und Brüssel lösen – es bestehen jedoch Bedenken hinsichtlich des rechtlichen Präzedenzfalls und der wirtschaftlichen Auswirkungen eines derart drastischen Schritts.