Die "Volksstimme" zur Ampel nach dem Grünen-Parteitag:
"Wer angesichts der Dauerkrise in der Bundesregierung auf ein vorzeitiges Erlöschen der bedenklich flackernden Ampel setzt, sollte spätestens seit dem Wochenende keine Wette mehr darauf eingehen. Denn Kanzler Scholz' Juniorpartner FDP und Grüne haben gezeigt, dass sie über die Grenze der Selbstverleugnung hinaus am Kabinettstisch bleiben. Erst knickte der liberale Finanzminister Lindner nach der 60-Milliarden-Ohrfeige des Bundesverfassungsgerichts bei der für Liberale heiligen Schuldenbremse ein. Und dann wies der Parteitag der Grünen alle Moralismus-Versuche der Parteijugend zurück, Verschärfungen des Asylrechts in Deutschland und Europa zu verhindern und sich damit auch gegen Seniorpartnerin SPD zu stellen. Die wiederum rennt selbst dem von AfD und Union propagierten Kurs undurchlässiger Grenzen hinterher. Fazit: Weil jeder der drei Koalitionspartner zu schwach für eigene Akzente oder einen Koalitionsbruch ist, irrlichtert die Ampel weiter."
Das "Handelsblatt" zum Grünen-Parteitag:
"Wie aus dem Nichts erklärte Habeck die Abstimmung über die Asylpolitik zu einer Abstimmung über den Verbleib in der Koalition mit SPD und FDP. (...) In dieser römischen Kolosseum-Atmosphäre über die Koalition abstimmen zu lassen, war nicht nur eine sehr riskante Wette. Es war ein Blick in den tiefen Abgrund dieser Partei, bei dem einem angst und bange werden kann. Man stelle sich nur einmal vor, diese Abstimmung wäre anders ausgegangen. Dann hätte sich die Ampel nicht mehr mit den existenziellen Haushaltsfragen beschäftigen müssen, sondern gleich mit ihrer Auflösung. (...) Robert Habeck und Annalena Baerbock haben zwar erst einmal Prokura von ihrer Partei in der für die Grünen ohnehin schwierigen Asylpolitik. Aber bei jeder weiteren Verschärfung und jeder weiteren Verhandlung müssen sie damit rechnen, dass in der Partei eine Rebellion ausbricht - wie auch bei jedem anderen Thema."
Die "Nürnberger Nachrichten" zur Grünen-Parteibasis:
"Die Delegiertenversammlung in Karlsruhe machte deutlich, dass die Ampel mit ziemlicher Sicherheit nicht vorzeitig scheitern wird - zumindest nicht an den Grünen. Die haben sich für einen pragmatischen Umgang mit der Macht entschieden. Partei- und Regierungsspitze können erst einmal aufatmen. Auch wenn die Grünen im öffentlichen Auftreten und in der Programmatik rigoros erscheinen, so ist in Koalitionen Verlass auf sie. Das hatten sie schon bei ihrer ersten Regierungsbeteiligung (zwischen 1998 und 2005) bewiesen, als sie den ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr mittrugen. Außenminister Joschka Fischer wurde damals mit einem Farbbeutel beworfen. Im Vergleich dazu war es jetzt regelrecht friedlich."
Die Zeitungen "Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung" zum Grünen-Parteitag:
"Immer in ihrer Geschichte gab es internen Ärger, wenn die Grünen alten ideologischen Ballast über Bord warfen. Als der grüne Außenminister Joschka Fischer den Einsatz deutscher Soldaten im Kosovo-Krieg unterstützte, nannten ihn die Friedensbewegten im eigenen Lager einen Kriegsverbrecher. Heute sind es die Grünen, die besonders vehement Waffenhilfe für die Ukraine fordern. Und sich klar an die Seite Israels gegen den Hamas-Terror stellen. Auf dem Parteitag in Karlsruhe haben die Grünen in der hochemotionalen Asyldiskussion bewiesen, dass sie die vielleicht wichtigste politische Turnübung doch noch nicht verlernt haben: den Sprung über den eigenen Schatten."